Das poetopharmakon bildet das paradigmatische Herzstück der Poetopharmazie.
Es defi­niert seinen eigenen irreduzibel rhetorischen Einsatz als eine poetische Essenz, die Wirkungen verspricht. Wirkungen sind selbstredend über die seriöse wissenschaftliche Be­schreibung nachzuhalten, aber auch experimentell zu erzielen. Die Arbeit am Begriff im Rahmen der Theorie trifft sich hier im weitesten Sinn mit Empirie. Zunächst mögen ein paar Schlüsselsätze reichen:

DERRIDOT: „Sie sollten aber vor allem nicht glauben, daß ich Ihnen hier, im Hinterzimmer von Jesu Pharmazie, die Geschichte eines gênet / Ginsters erzähle, dessen Färbung, dessen Pharmakon, mich vor allem interessiert. Und es ist wahr, daß ich nichts getan haben werde, falls es mir nicht gelungen sein sollte, Sie mit gênet / Ginster zu affizieren, Sie einzufärben, zu bepinseln, zu verleimen, Sie sensibel zu machen, Sie zu verwandeln, jenseits all dessen, was sich hier, vom eigensten Affekt dieses Textes her, kombiniert.“(Jacques Derrida, Glas, 118.)

A.S.PIRIN: >SUSE zum APO: […] “ wozu soll das GrünZeug gut sein ?“ APO (zählt erst rasch ein paar verdiente Apotheker her: in RAABE’s ‘Zum Wilden Mann‘; SPITZWEG; ANTOINE AUGUSTIN PARMENTIER; PENZOLDT, ‘Die Leute aus der MohrenApotheke‘; der ALTE DESSAUER habe 1 AppotékerrTochter geheiratet : ANNA LOUISE FÖSE; (und bei ‘Herrn Punttila‘ sogar ein ‚Apotherkerfräulein‘, Susi !): “Ch hatt gedacht : für’n KaddowwlSalat (oder=so). –  (:man thue den Saft in ein leeres/hohles Ei [hier vom Original abweichende Schreibart wg. Zeitdruck, L.F.]. Gebe gleiche Theile Honich & Mentha acquatica hinzu. Die Wurz’l verkohlt, und mit dem Fett einer Schwarzn Sau gemischt, macht ein gewisses HaarKleidchen fester=dikker, (größere Wirkung, wenn das Auftragn id Sonne geschieht ! ). Vermittelst eines nicht=unsimplen KunstGriffes gegnüber den hüftähnlich=hohlen Blättern, dient es, mit Sinngrün (=Vinca minor) gemischt, zur Verminderung der Milch bey den Frauen. Widergelbsucht steckt man es id Nase. – (?): häufich um alte DenkMale, und auf fettn [hier im Original ein kurzer schwarzer Balken, ansonsten s.o., L.F.] Hügeln –“; (hier lungert sein Blikk auf Susen=rum): „ der ausgepreßte Saft erweitert das Loch … (?) : !!! – “ (man vernimmt nur noch den (echohaft=verdoppltn ? der zweite iss jedenfalls schwächer !) Schall einer Maulschelle : ‘!‘ – )< (Arno Schmidt, Die Schule der Atheisten, 131)