Die paideia (Übung) wird hier als Ziel einer peotopharmazeutischen Praxis vorangestellt. Lesen, Schreiben, Sprechen, ‚Surfen‘ und ‚Klicken‘ müssen kombiniert und geübt werden.

Hinter dem Konzept der paideia steht einerseits das Postulat einer wirksamen Vereinfachung, wie sie von allen Techniken verlangt wird. In therapeutischer Hinsicht ist dieses Konzept bereits von Michel Foucault mit Blick auf die seit der Antike bekannten Techniken der Selbstsorge ausführlich diskutiert worden.

Andererseits sei darauf hingewiesen, dass gerade die Übungskonzepte, die sich einer restlosen Transparenz verdanken, den Stellenwert von Eintagsfliegen haben: Das Konzept der paideia kann nur etwas taugen, wenn es eine (heilsame) Hermetik durchscheinen lässt, wie sie übrigens allen Medien inhärent ist. Die ‚Zauberformel‘ müsste demnach lauten: Die paideia ist selbst schon ein poetopharmakon. Auch hier gibt es eine Tradition. Man denke nur an:

MOLY: Es laufen viele Deutungen des Kirke-Mythos darauf hinaus, Moly als eine wunderliche Pflanze mit schwarzen Wurzeln und weißen Blüten zu betrachten, welche zu ziehen dem Menschen aufgegeben sei. Und vor allem in der neuplatonischen Version steht das „hermetische Kraut“ für die „Paideia, die see­lische Erziehung des Menschen zum Aufschwung seiner Lichtkraft aus der Finsternis des irdisch Sinnlichen.“ (Hugo Rahner, Griechische Mythen in christlicher Deutung, 176)

SERRESSENZ: "Ja, seit einigen Jahrzehnten beobachte ich, dass wir in einer Zeit leben, die der Morgenröte der paideia bei jenen Griechen vergleichbar ist, die zu schreiben und Beweise zu führen gelernt hatten, vergleichbar auch der Renaissance, die den Buchdruck entstehen, die Herrschaft des Buches heraufziehen sah. Vergleichbar und doch unvergleichbar - denn in dem Augenblick, da jene Techniken sich im Umbruch befinden, wandeln sich auch die Körper, verändern Geburt und Tod sich ebenso wie das Leiden und die Heilung, die Berufe, der Raum, das Wohnen, das In-der-Welt-sein selbst." (Michel Serres: Erfindet Euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation, 21 f.)

 

a gift: PP= (LSD - LSD) + (PA - PA)

 

Jede Formel lächelt, weil sie keine Sozialversicherungsnummer braucht. Und weil sie ganz frech behaupten kann: „Du hast einen Draht im Lustzentrum deines Gehirns und legst, wenn du nicht gerade schläfst, an jedem Tag deines Lebens fünftausendmal pro Stunde den Schalter um.“ Und was frommt es, wenn sie hinzufügt: „Schelm dich!“