(erstmalig eingestellt auf dekontrukte.de 2010/2011 von L.F.)

Die Poetopharmazie entwickelt, produziert und vertreibt Poetopharmaka. Sie ist eine Institution, in der flottierende Elemente der Theorie und der Literatur gebunden, geprüft und transformiert werden. Diese Elemente sind traditionell stillgestellt worden zwischen Begriffen wie „Ästhetik“, „Ethik“, „Politik“, „Existenz“, „Leben“, „Natur“ und „Medium“. Sei es die dorthin gehörende poetische Figur oder der philosophische Begriff – sie auf ihre Substanz wie Wirksamkeit zu untersuchen, ist die erste (klassische) Aufgabe. Die zweite (neue) Aufgabe besteht in ihrer Transformation zum Zwecke der Neuausrichtung, Belebung und Intensivierung ihrer Wirkungen – und zwar unter den de facto unabsehbaren multimedialen Bedingungen des Internet. Wenn wir also nach poetopharmaka fragen, so fragen wir nach Giften, Drogen und Heilmitteln. Und mit Blick auf Wirkungen lautet die leitende Frage: Was vergiftet, berauscht und heilt uns, wenn wir lesen, schreiben, hören, schauen und klicken?

Die Poetopharmazie setzt mit ihrer kritischen und experimentellen Forschung in einer historischen Situation ein, in welcher das Ende des Gutenbergzeitalters besiegelt ist.

Pharmakonfession: Die Signatur des pharmakon als dessen intelligibles und dynamisches Wesen kennt nicht nur Stein, Sand, Wachs und Papier, sondern auch und mindestens eine Hand, wenn nicht gar eine Stimme. Daß es keine Wirkung ohne Konfession gibt, will heißen, daß alle Ursache bereits konfessionell (beschreibbar) ist – auch das fällt in den Bereich „freudiger Esoterik“ (Agamben), die noch gilt, gerade da sie profaniert ist. Daß sie sich am deutlichsten dort artikuliert, wo sie schweigt, schreibt sie in die Tradition ein, die mithin radikal, also den radices verschrieben, ist – und immer bestens hörbar. (Vgl. auch Rilkes erstes orphisches Sonett.)

Billet: Niemand sagt, es gäbe zur Pharmazie einen Schlüssel, den man nur finden müsse, um sie dann aufzuschließen und gleich in die vollen Regale zu greifen. Nein, so etwas gibt es nicht. Die Pharmazie will gebaut werden. Und heute können wir nicht einfach den Bauplan (und nicht hier!) auf den Tisch legen und sagen: Na dann geht es eben so. Heute bemühen wir uns mit diesem Billet (als Memorandum) um eine Einladung, die ergeht an jene Zwerge, von denen Heine berichtet, sie seien verschwunden, weil die Menschen sie so fürchterlich betrogen und beleidigt hätten.

Drogen: „Die Alchemisten wollen das schlechthin Unmögliche und sie wissen, daß das, was sie wollen, logisch und real ausgeschlossen ist. Darum liegen Erhöhung und Absturz, Ekstase und Depression wie in keiner Geistesströmung – außer der Mystik – so nahe zusammen wie in der Alchemie.“ (Hartmut Böhme in einem Aufsatz über hermetische Ikonologien) Umgekehrt wird womöglich auch ein Schuh daraus: Der Melancholiker wird nolens volens zum Alchemisten, da er die Utopoi seiner Lektüren in Pharmaka transformiert und schließlich konsumiert. Mehr oder weniger drogenabhängig sind die Schriftinterstellaren, die in der Welt nicht leben und im Text nicht sterben können. Ins Astropolitische gewendet: Das einstige Wie-oben-so-unten ist endgültig degradiert zum Wie-nirgends-so-überall.

Wirkungen: Zwischen Utopie und Alchemie, zwischen Biopolitik und Biopoetik gibt es einen zuverlässigen locus, einen, dem eine Ökonomie (eine nomie des oikos) zuwächst: den der Pharmazie, worin (nach und mit Derrida) zum einen das platonische Theater der Dekonstruktion stattfindet (gewiß: so klingt das kryptisch). Darüberhinaus aber beherbergt diese Pharmazie eine ganze Reihe von Figuren, die einfache, elementare Pharmaka anmischen. Ursprünglich wirken die paracelsischen Elementargeister: Sylphen (Luft), Nymphen (Wasser), Salamander (Feuer) und Gnome (Erde). Die offenbar nach hermetischen Rezepturen bereitgestellten Pharmaka dieser Geister sind unter anderem von ihrer Wirkung her zu beschreiben.

Transformation: In der deutenden Lektüre-Erfahrung ereignet sich eine energetische Transformation. Jede Doxographie wird solcherart zur Dynamographie. Wichtig ist hier Agambens „Theorie der Signaturen“, in der einmal mit Blick auf Warburg geschrieben steht, dieser bemühe eine „näher bei der Magie als bei der Wissenschaft angesiedelte parawissenschaftliche Terminologie“, in der die „Pathosformeln ‚abgeschnürte Dynamogramme’“ genannt würden, womit angedeutet sei, „daß sie ihre Wirksamkeit in der Begegnung mit dem Künstler (dem Forscher) jedesmal von neuem erwerben.“ Die Transformation der Lektüre ist eine nach den kryptischen Gesetzen des Ereignisses ablaufende Begegnung.

Poetopharmaka: Tatsächlich werden hier die Poetopharmaka entwickelt, was nichts anderes bedeutet, daß DEKONSTRUKTE.DE ein entwicklungspoetologischer Generator ist. Ihm entspringen zum Beispiel: ein paar Homunculi, die den Philologen bis aufs Haar gleichen, allesamt Kenner der Gelehrtenrepublik, die ihre Lektüren naturgemäß NICHT für staatstragend halten. Während sie symphilosophieren, lutschen sie ein paar Sema-Pastillen. Solcherart berauscht oder illuminiert paraphrasieren sie gern die Alten, indem sie etwa behaupten, Metaphern müsse man oral, Metonymien rektal einführen, Sprungtropen zu geselligen Anlässen, Grenzverschiebungstropen vor dem Zubettgehen konsumieren. Sie sagen auch: Ein Placebo ist ein Politikum.

Fairschreibungspflicht: Die Poesie des Rezepts zielt auf die letzte Wirkung, die sich am Ende der Geschichte (an dem nach Agamben Poesie, Philosophie und Religion als Wirkungsmächte ausgedient haben) versprechen läßt. Das poetische Rezept sowie seine Rezeption erhöhen die Fähigkeit des Aufmerkens. (Wenn das nicht geschieht, muß es behauptet werden.) Es gibt mithin eine Ethik und Politik der Verschreibung. Jemandem die Poesie zu verschreiben und ihm damit zu verordnen, sich der Schrift zu verschreiben, ist eine so kraftvolle wie hilflose Geste. Denn das Verschreiben, das sich immer auch im Sinne der Verfehlung verschreiben kann, kann keine Garantie für das definitive Eintreten einer bestimmten Wirkung oder eines Ereignisses übernehmen. Damit ist und bleibt aber die Verschreibung immer eine Fairschreibung insofern, als sie dem Ereignis, das per definitionem nicht programmierbar ist und sein darf, den gebührenden Respekt zollt. Die Verschreibung macht also niemandem etwas vor, sie ist das Ereignis selbst. Es gibt zu ihr keine Alternative, will man überhaupt (sich) (ver)schreiben.

Trockenlieben: Es ist Barthes’ Einschätzung zu bestätigen, daß die Literatur hauptsächlich im Sterben liegt. Die literarischen Werke sind bereits veraltete Schriften, welkende Blätter. Nun wissen wir aber, daß nicht selten eben das Austrocknen der Pflanzen Voraussetzung für ihren Einsatz als Arznei bildet. Und wenn man dies nicht als Augentrost auffassen will, dann soll man sich nicht scheuen, (auf) zu begehren: Gerade weil die Literatur verkümmert, ist sie begehrenswert. Es entbrennt zu ihr eine „erschütternde Liebe, so wie man liebt und in die Arme nimmt, was sterben wird.“ In dem von Barthes so bezeichneten „ergänzungsbedürftigen Dossier“ zum Veralten wäre überdies zu diskutieren, in welchem Verhältnis das Altern zur Heilung steht. Einerseits ist das Alter anfällig für die Krankheit, andererseits ist es Kraft seiner potentiellen Erfahrung prädestiniert, über ein gewachsenes Heilwissen und die enstprechenden Erfahrungen zu verfügen. Das Veraltete ist immer das Alte und wird abgewertet von denen, die das bzw. ihr Neues über alles Alte per definitionem stellen. Und dann kann es doch wieder sehr leicht geschehen, daß gerade die Rückbesinnung auf das (scheinbar) Veraltete zum neuesten Schrei reizt: Hildegard von Bingen reloaded.

Drei Derridasche Formeln:

1. „Das ‚Wesen’ des pharmakon besteht darin, daß es, da es weder ein festes Wesen noch einen eigenen ‚Charakter’ hat, in keinem Sinne dieses Wortes (metaphysisch, physisch, chemisch, alchimistisch) eine Substanz ist.“ (PP 141)  2. „Das pharmakon ist die Bewegung, der Ort und das Spiel (die Hervorbringung der) Differenz. Es ist die différance der Differenz.“ (PP 143)  3. „Und […] käme man schließlich auf den Gedanken, daß die Schrift als pharmakon sich nicht einfach einen Platz zuweisen läßt, einen situs, innerhalb dessen, was sie situiert, sich nicht unter die Begriffe subsumieren läßt, die von ihr her entschieden werden, der Logik, die sie nur beherrschen wollen kann, indem sie selbst noch aus ihr hervorgeht, bloß ihr Phantom überläßt, es wären merkwürdige Bewegungen, worunter man zu beugen (plier) hätte, was man nicht einmal mehr schlichtweg Logik oder Diskurs nennen könnte.“ (PP 115)

Allegorie als Sedativum: Nach Deleuze ist das Symbol ein „Prozess von Handeln und Entscheiden“, die Allegorie hingegen sei nicht aktiv, sondern präge ein Denken, „das unaufhörlich aufschiebt. Es hat die Entschlusskraft durch die Urteilskraft ersetzt.“ (KuK, 68) Man nehme hinzu die Allegorien des Lesens von Paul de Man, in welchen deutlich wird, dass die Texte sich selbst dekonstruieren und zu aporetischen Orten werden, an denen (vor allem über eine Hierarchie von Bedeutungen) nicht mehr entschieden wird und es tatsächlich nicht mehr entschieden weitergeht. Also fließt die Kraft des Urteilenden vor allem in ein nachdenkliches Zögern.

In jedem Fall haben Allegorien sedierende Wirkungen. Sie beruhigen, insofern sie (gerade über ihre temporalen Elemente) die Kontemplation (Denken, Anschauen) befördern. Regelrecht narkotisch und also lähmend und betäubend können sie kaum wirken, da es ihnen an anästhetischer Schlagkraft fehlt. Gewiss, insofern die Allegorie als Trope der Melancholie (Benjamin) gehandelt wird, mag sie langfristig genommen einschläfernd und gar mortifizierend wirken. Aber dafür müssen Art und Dauer der Dosierung extrem hoch und lang eingestellt werden. Alles in allem gehören Allegorien eindeutig zu den gut verträglichen Beruhigungsmitteln. (Allegorisches Exempel: Im Gespräch mit dem Zitterrochen S. dezentriert P. die Pharmakeia, um sie zuletzt den entscheidenden Schlag (coup) ausführen zu sehen.)

Lösen, Binden: Das Deklamieren bestimmter theoretischer Sätze, wie etwa eines Satzes von Gilles Deleuze über die Vorzüge des Stotterns, hat bindenden und lösenden Charakter. Allein das implizierte Versprechen der Wahrheit bei gleichzeitiger Lösung von jeder konventionellen Losung, nach der der „richtige“ Weg zur Wahrheit vorgegeben wird, bindet und befreit zugleich.

Die hierbei frei werdenden, gleichwohl Form annehmenden Energien haben die Tendenz, knapp und zerstreut zu sein. Und dies ist nicht (mehr) zu beklagen. (Zumal schon Barthes mit seiner Lust am Text zeigt, dass diese Lust sich sehr wohl fragmentarisch äußern kann.) Der disseminierende flow der Zeichen und Formate im Rahmen der Neuen Medien zeitigt mehr als nur eine Auslöschung der Statuten und Institutionen des klassischen Gedächtnisses; er lässt auch eine Kombinationskunst neu entstehen, wie wir sie aus der Renaissance kennen. Wir betreten mithin ein Zeitalter, in dem die Magie in Verbindung mit einer unabsehbar anschwellenden Medialität neue Bedeutungen und Facetten annimmt, womit im übrigen auch der Blick auf die Natur frei wird. Medien und Natur bilden korrespondierende Konstanten und zugleich Grundlagen einer künftigen Heuristik.

Potenzmittel: Da wir im Begriff sind, die Serienproduktion unserer Poetopharmaka anzuleiern, um damit Rausch und Heilung unter die Menschen zu bringen, bekennen wir uns auch zu den strengen Gesetzen der Anökonomie, und da vor allem zu dem Grundsatz: Alles liefern, nichts erwarten. Wir schieben in unserem strategischen Denken die Konsequenzen konsequent hinaus, denn wir sind von der Teleologie als Prinzip zutiefst gelangweilt, nicht aber von Produkten, Dingen, Menschen und dem Glück.

Das Ganze bedeutet übrigens auch, dass die Gegenüberstellung von konventioneller Wirtschaft und Wissenschaft (heute) wirklich überholt ist: Die Wissenschaft unterscheidet sich von der Wirtschaft nur graduell bezogen auf ihre (bedarfsorientierte) Produktivität. Eine andere Qualität kommt ihr inzwischen nicht mehr zu. Deshalb lieben wir die „absolut hilflose“ (T. Bernhard) Wissenschaft (zumal des verstorbenen Geistes bzw. lebendigen Gespenstes), und das heißt, dass ihre Schwäche eine wenn auch aus Unvermögen entstandene Tendenz zur Anökonomie aufweist. Wir nun transformieren diese Passivität in schiere Potenz, die ja nicht nur bei Agamben als Signatur des alten Studiums, sondern auch in der alten Homöopathie als Teil des Mittels auftaucht. Die Poetopharmaka sind mithin Potenzmittel, die als Ver-Aus-Gaben Rausch und Heil erzeugen.

Wahrheitsserum: Bringen wir endlich Bewegung in die Pharmazie. Es wird nun ersichtlich, dass einige der hier produzierten Pharmaka Wahrheitsseren sind, deren Formel das Ereignis einer Begegnung zweier nur scheinbar heterogener Begriffe, Worte oder Wesen ist: Die Pharmakeia Derridas trifft auf die Parrhesia Foucaults. Endlich versöhnen sich die beiden, mehr noch, sie versprechen sich und einander. Das bedeutet, dass das Wahrsprechen an seinen Quellen Heilmittel und Gift zugleich wähnt und ist. Und auch: Wahrhaftige Wirkungen birgt jede Quelle, jedes Zeichen und Medium. Wichtiger indes als die Spekulationen über die Gesetze zwischen Ursache und Wirkung ist die Vermählung von Pharmakeia und Parrhesia als Ereignis: eine dynamische Veranstaltung, auf der es allererst um eines geht: um Reize. Die Besucher dieser Hochzeit in der Pharmazie werden gereizt, weil sie erfahren, dass es noch Zeichen und Wahrheit gibt. Was da alles möglich ist: Sie begehren die Parrhesia, weil Pharmakeia es ihnen eingibt; sie begehren die Pharmakeia, weil Parrhesia ihnen winkt. Freude, aber auch Angst, Wut, Traurigkeit – wozu immer da noch gereizt wird: Eines bleibt gewiss, es ist dies eine veritable Hochzeit. Dumm also, wer nicht aufsteht, nicht wenigstens probiert.

Antidot: „Die Profanierung ist das Gegendispositiv.“, schreibt Agamben. Die Dispositive, die Sprache etwa, die Schrift und das Internet, sollen qua Profanierung dem Gebrauch zurückgegeben werden. Es sollen solcherart Mittel für den alltäglichen „Nahkampf“ mit den Dispositiven zur Verfügung gestellt werden. Wir denken da an den Zaubertrank, den schon Asterix, ein verdienstvoller Gallier, trefflich zu nutzen wusste. Dieser Zaubertrank wird als ein Antidot (wie Moly gegen Kirke von Hermes) bereitgestellt, um zum Beispiel die Dissemination zu stimulieren, welche in den Subjektivierungs- und Desubjektivierungsprozessen statt hat. Vorderhand zeigt sich diese Dissemination als ein behendes Hakenschlagen, um in den sakralisierten Dispositiven, vor allem auf deren Pinnwänden, nicht festgenagelt zu werden, toten Schmetterlingen gleich, die ins Netz gegangen sind. Für diesen Kampf um unser Überleben brauchen wir einige ausgesuchte und hochentwickelte Antidotes – Gegen-Gaben, Putsch-Mittel. Wir wissen von Agamben auch, dass Zauberei darin besteht, den Dingen geheime Namen zu geben. Unser wirksamstes Antidot trägt eine scharlachrote Signatur. Mehr sei nicht verraten.

Quintessenz: Da sich die Quintessenz, quinta essentia, bekanntlich aus der Zusammenführung insbesondere von Quecksilber (Mercurium) und Schwefel (Sulphur) herleitet, ist es keine Frage, dass einer der Archisignatoren dieses alchemistischen Erfolgsrezeptes besondere Beachtung verdient (auch weil ungewiss sein muss, welche Finger er bis heute in welchen Spielen und Stoffen hat): Hermes, dessen Signatur nicht einfach nur liquid ist, sondern vermutlich wesentlich disseminativ. Naturgemäß ist dies nur jenen, die ein besonderes Verhältnis zum Zeichen des Zwillings aufweisen, sofort eingängig. Das macht aber nicht viel (aus). Denn erstens sind alle Essenzen nach Deleuze sowieso nicht nur individuell, sondern auch individuierend – mithin der persönlichen Aufmerksamkeit und Bildung übereignet. Und zweitens zeigt sich am Ende dieses so speziellen wie elementaren poetischen wie auch alchemistischen Prozesses, dass die Quintessenz als doppelt notierter Stein der Weisen eine Transmutation bewirkt, die Glück und Verderben gleichermaßen nach sich ziehen kann. So gesehen, ist die quinta essentia (wie jede poetische Weisheit) der Urstoff aller pharmaka.

Der besondere Klick: Dass laut Agamben „die Signatur der Ort ist, an der die Geste des Lesens und die des Schreibens ihr Verhältnis umkehren und in eine Zone der Unentscheidbarkeit eintreten“, mag behilflich sein bei der These, dass bereits das Anklicken des Menüpunktes „Pharmazie“ einem Ereignis gleichkommt, bei dem das Klicken zum besonderen Kick wird, weil der K(l)ickende nicht nur etwas ank(l)ickt, anstößt, aufmacht und einlässt, sondern zuletzt auch etwas einschreibt und einwirft, das sich als differentielle Spur (in ihm) dartut. Diesen K(l)ick nun in die Sprache der Erfahrung zu übersetzen, ist angesichts der Geschwindigkeit des Vorgangs nicht so einfach. Das Zucken des Zeigefingers und der Sprung des Blicks vom Punkt zum sich instantan auftuenden Feld gehen schnell vonstatten; und eine bemerkenswerte Verlangsamung tritt erst post festum in Kraft, und zwar in Form von längst beschriebenen (ästhetischen) Wahrnehmungen: Betrachten, Hören, Lesen. Der Klick ist ein beinahe unmerkliches Ereignis, eben eine Art des Zuckens. Sein Sprung von Punkt zu Fläche kennt keine Tiefe und entzieht sich so dem Gedächtnis. Der Klick findet (im Gegensatz etwa zu dem manchmal schicksalsschweren Aufschlagen des Buches) keinen Eingang in die Erzählung – und doch gibt es dieses Spurenelement: „Als ich auf den Untermenüpunkt „Formeln“ klickte, schon ein wenig müde geworden, verwirrt ob meiner Stultitia, stieß ich auf die Formulierung „Der besondere Klick“ und erfuhr, dass ich nicht nur für den Moment, sondern für den Rest meines Lebens mit der Erkenntnis leben musste, dass das Irreparable die wichtigste Bedingung der Möglichkeit eines Weiterklickens sein würde, das sein Gelingen nicht mehr unter Beweis würde stellen müssen, stattdessen konjugiert sein würde mit einer Traumsequenz in Wilhelm Raabes Altershausen, deren die Welträtselsnuss betreffendes Credo in der aktualisierten Fassung bereits wirksam geworden sein sollte – als ein: ‚Also heißt es Weiterklicken!’.